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hlennarz

Interview mit Daniele Maffai ("Daniele Gas")

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Ein sehr Interessantes interview mit Daniele Gas über dessen Zeit mit Gigi und interessanten, weiten Einblicken in deren damalige Zeit:

https://decadancebook.wordpress.com/2016/11/18/gigi-dagostino-daniele-gas-creative-nature-vol-2-metrotraxx/

Originaltext von:

Giosuè Impellizzeri

Deutsche-Übersetzung meinerseits:

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Die sogenannte "progressive" Era entwickelte sich in einer dreijährigen Periode zwichen 1993-1996 und reichte bis ins Jahr 1997 als eines der beliebtesten, nostalgischen Genres.  Entwickelt wurde es in Clubs, speziell zwichen der Toskana und Piedmont, und breitete sich nach und nach wie das Revier eines Leoparden in Italien aus. Es hinterließ seine Fußspuren, sehr tiefe, in der Geschichte unserer Localen Dance-Community durch seine Kommerzialisierung. Selbige, die dann das gnadenlose abnehmen an Beliebtheit verursachte. Eine der wesentlichsten Veröffentlichungen (oder auch eine "historische"), wenn man einem Lexikon das auf Youtube die Runde macht Glauben schenkt, ist ohne Zweifel "Creative Nature". Die erste Ausgabe (Vol.1) erschien 1994 auf dem Label "Subway Records", eines der prominentesten labels der "Discomagic" Gruppe, jedoch wurde nur einer der beiden involvierten Künstler angegeben.

Zitat

"Zu dieser Zeit kannten Ich und Gigi uns noch nicht wirklich gut und so entschied ich mich dazu, dieses Experiment alleine zu wagen"

sagt Daniele Maffei, auch bekannt als "Daniele Gas".

Zitat

"Die erste Ausgabe von "Creative Nature" war der Beginn meines experimentierens mit Techno / Trance musik. Aber im Jahr 1994 hatte ich noch keinen Vertrag mit der SIAE und verschob diesen Schritt eine ganze Weile da ich zunächst dachte das ganze wäre nicht viel mehr als ein kleines Spiel. Daher wurden meine ersten Werke (wie z.B. "Tin Drums" von Tin Drums, "Dirty Work" von Groove Planet und "Into The Bytes" von Neurone, etc.) mit den Authoren "Gigi D'Agostino und Miki Generale" angegeben. Die Zusammenarbeit mit Gigi war damit ein wenig aus Zufall geboren. Wir trafen uns oft im Studio. Er hatte noch keine "wirklichen" Produktionen herausgebracht sondern nur ein paar Remixe (für "Uipy" von Rave Tirolers, "Hypnotribe" und "Baseball Furies" von Voyager oder auch "Sexo Sexo" von Wendy Garcia, etc.). Wir wurden enge Freunde und ich bat ihm an neben ihm am Mischpult zu arbeiten in verschiedenen Clubs in Turin. So nahm die Idee im Studio zusammen zu arbeiten Formen an, allerdings waren wir nicht wirklich organisiert. Wir buchten das Studio und blieben dort für gewöhnlich bis zum nächsten Morgen, da gute Ideen meist nur Nachts entstanden. Es gab keine wirkliche Rollenverteilung, wir mochten beide die Rolle des "Schlaumeiers" wenn es um die Melodien ging. Meistens habe ich mich um die Melodien gekümmert, Sie gespielt, während er sich um die Rhythmen kümmerte, aber es kam auch vor, dass diese Rollen getauscht wurden. Um diese Riffe zu spielen musste man nicht konservativ gelernt haben oder wirkliche musikalische Vorbereitung haben. Alles was man brauchte war ein gewisses, musikalisches "Ohr"."

Tatsächlich war  "Progressive" (und paralel dazu "Dream") nicht an spezielle komponistische Qualitäten seiner Künstler gebunden. Viele Stücke spielten mit epischen, melodischen Verkettungen aber baten wenig an rhytmischem Design oder Arrangement. Der Minimalismus im 4/4 Takt, ein "upbeat" bass und eine mehr oder weniger passende Melodie (Elemente die durch Robert Miles's weltweiten Erfolg belohnt wurden) führten nicht immer zu unvergesslichen Ergebnissen. Aber es gab diejenigen, die mit wenigen Elementen einen Unterschied machen konnten, so wie Gas und D'Agostino, welche den Song "Creative Nature" durch einen Glückstreffer-Remix namens "Giallone" zum Leben brachten. Selbst wenn man sich die original Veröffentlichung anhört lässt sich erkennen, welche Ideen bereits vorhanden waren und die spätere, weit-bekannte "Remix" Version (nach der Original Veröffentlichung bei Subway Records) wirkte eher wie ein neuer Zusammenschnitt mit kleinen Veränderungen im Entwurf und nicht bei den verwendeten Sounds welche nahezu unverändert blieben.

Die "neueste" Version, insgesamt die dritte, welche als Doppel-EP unter dem Namen "Creative Nature Volume 2" lief, wurde unter "Metrotraxx" veröffentlicht. Ein weiteres Sublabel des desastreusen "Discomagic" Labels der Lombardoni Gruppe bei welchem unter anderem die ersten Werke von Roberto Milani (Roberto Concina, später Robert Miles) erschienen. Die EP kam 1994 heraus, nahm aber erst im Herbst 1995 an Fahrt auf.

Zitat

"Wahrscheinlich lag es an Nando Vannelli, Bruder des bekanntesten Joe T. Vannelli. Er war unser A&R und arbeitete sehr gut am Metrotraxx-Projekt, obwohl niemand sonst etwas dazu beitragen konnte. Aber Sie wurde auch ein kleiner Erfolg, weil wir in Turin waren, unserem "Hauptquartier". Viele bekannte DJs (wie Molella in "Molly 4 DeeJay", etc.) fingen an Sie häufig in ihre Sets einzubauen. Alles war absoluter Zufall und überhaupt nicht geplant."

4 Songs sind auf dieser Doppel-EP zu finden: "Panic Mouse", in zwei Versionen, "Meravillia" und nattürlich der "Giallone Remix" von "Creative Nature", welcher das Sample einer Glocke, Oktaven-Bass und einen micro-riff an Atmosphäre, ebenfalls auf den Oktaven enthielt. Diese Elemente wurden später weiter überarbeitet von D'Agostino und in einer neuen Interpretation namens "Campane" im Jahr 2000 veröffentlicht.

Zitat

"Im Durchschnitt brauchten wir ein paar Wochen um zu dieser Zeit eine EP fertigzustellen, inklusive dem mixen. Die Instrumente die wir benutzten waren fast alle analog. Für den bass: ein Roland TB-303 (Mittelklasse), und für die Melodien ein Mono- oder Polyphones Keyboard wie das "Roland Jupiter-80", "Roland JD-800", "Korg Poly-800" oder andere im Setup. Wir begannen mit dem programieren der ersten Muster per Notator, installiert auf einem Atari. Dann gingen wir über zu Cubase und Logic. Es war alles sehr einfach gehalten und intuitiv: Wir kahmen ins Studio, schmissen die Geräte an und improvisierten melodische Abläufe im "Groove", die von Platten gesampelt wurden. Wir kreirten Schleifen und hörten Sie uns an. Wenn Sie uns gefielen, fingen wir an zu tanzen, als ob wir in der Disco wären. Ich musste laut lachen, als Gigi Celentano's "pace" imittierte und Ich antworte mit Pinò's version von "Pinocchio". Es gab wirklich eine starke Zustimmung zwichen uns. Wir konnten unsere ideen in die Praxis übertragen mit Melodien und Rhytmen aber wir strebten keine komerziellen Produktionen an. Uns war klar, dass unser Ideenreichtum früher oder später zu einem Ende kommen würde aber wir wollten nicht, dass es all zu offensichtlich ist. Der Erfolg von "Creative Nature Vol. 2" ist nicht zu leugnen aber ich weiß nicht, wie viele Platten genau verkauft wurden, auch weil uns die Zahlen nie erreicht haben. Wir sollten Nando Vannelli für genaue Zahlen fragen. Allerdings glaube ich, dass in Italien mehr als 4000 Platten verkauft wurden. Später wurde Sie auch im Ausland veröffentlicht (auf dem spanische "Vendetta Records" Label, etc.). Sie lief definitiv besser als die erste Ausgabe, da bin ich mir sicher, denn sie wurde merfach neugepresst. Aber nichts desto trotz habe ich nie auch eine einzige Lyra dafür gesehen mit Ausname derer, die ich als Vorschuss genommen habe. Leider war Discomagic bei dem Thema nicht sehr zuverlässig."

Es scheint so, als seien die RPM Angaben auf der EP falsch: Drei der Songs mussten mit 45 Umdrehungen gespielt werden und nur einer, der "Giallone Remix", mit 33. Allerdings sagte Claudio Diva in einem Interview das wir in der Ausgabe"Decadance Extra" hielten, dass es niemandem aufgefallen ist und die Songs fälschlicherweise als "Afro-Stil" tracks mit langsamem Beat betrachtet wurden. Kurios ist auch der Name "Giallone":

Zitat

"Ich war mit Gigi im "Le Palace" club in Turin. Zu Gast war Francesco Farfa von "Insomnia di Ponsacco" und wir sprachen über dies und das, auch Produktionen. Er sagte wir sollten eine neue Version von diesem "Giallone" machen, er meinte damit den Remix von "Creative Nature" der unter Subway Records erschien, mit gelbem Label um genau zu sein. Von diesem Moment an nannten wir die neue Version freundschaftlich "Giallone Remix" in Erinnerung an Farfa's Vorschlag und er war einer der ersten, der die Platte als Promo erhielt."

Daniele Gas produzierte weitere Veröffentlichungen für Subway Records und ereichte zwichen 1996 und 1997 erneut Erfolg mit seinem Projekt "Nylon Moon" zusammen mit Miki Generale und produziert von Joe T. Vannelli bei DBX Records, bekannt für das hervorbringen von Robert Miles.

Zitat

"Dank YouTube kann ich mir die Songs aus dieser Zeit anhören und die Emotionen dabei sind immer intensiv. Die Erinnerungen an das Studio kehren zurück, auf die vielen einsamen Nächte, mit Gigi und Michele. Wenn wir mit dem Abmischen fertig waren haben wir uns die Stücke im Autoradio angehört, denn das war der entscheidende Test. Nattürlich gab es auch keinen Mangel an Tests an den Morgenden in den Live-Locations. Wenn der Sprecher meine Songs ankündigte, war das für mich immer ein sehr emotionaler Moment. Zu wissen, dass eines meiner Stücke irgendwo eingefügt wurde machte mich sehr glücklich. Deswegen beinhalteten die 90er einmalige, nie wiederkehrende Momente. Müdigkeitkeit konnte nie die Oberhand gewinnen, denn der Wunsch etwas mit diesem Job zu ereichen hat mir stets Kraft gegeben. Man hatte immer den Wunsch nach Mailand zu rennen und sich die neuen Songs des Labels anzuhören. Wenn du so über mehrere Jahre hinweg denkst und alles gibst, spürst du wie früher oder später der Erfolg kommt. Mehr als 20 Jahre sind seitdem vergangen. Um ehrlich zu sein habe ich ein wenig mehr erwartet aber ich bin zufriedem mit dem was geschehen ist , die Emotionen bleiben unverändert. Ich würde alles nochmal genau so machen, ohne darüber zweimal nachzudenken. "

Daniele Gas kehrte zurück in die Reihe der Beführworter und Produzenten der Progressive Bewegung, bevor alles nach und nach zu einem Einheitsbrei aus Kopien von Kopien mutierte, aus dem Interesse geboren mit den Ideen anderer einen noch lukrativen Markt abzukassieren.

Zitat

"Vielleicht können ich und Gigi uns einen Teil des Verdienstes dafür ausmachen, dass wir als eine der ersten Produzenten in Italien das sogenannte progressive Phänomen hervorgebracht haben, aber ich habe nie geglaubt oder auch nur gedacht solche Projekte mit Ambition in musikalische Trends zu wandeln. Das wäre sehr überheblich gewesen. Ich wollte nie einen Trend mit meiner Musik kreiren. Diejenigen die Sie hörten und dazu tanzten dachten villeicht dies könnte eine neue Form von Techno oder Trance werden, oder hielten Sie einfach für tanzbar. Während meiner Zeit unter Nylon Moon in 1996, war ich in London um das Video für "Sky Plus" zu drehen und dort meinte jemand Robert Miles und Ich hätten "Dream House" erfunden. Ich musste lächeln. Das sogenannte "progressive" wurde geboren um eine Veränderung zu bringen, aber wenn es um die Interessen der Plattenfirmen ging, besonders der großen, wurde alles auf ein banales "copy-paste" reduziert. Jeder wollte ein Stück des Kuchens abhaben und der Markt war schnell ausgelastet. Ich denke es lag auch an den A&R der Labels und den Herausgebern, welche nur über Verkaufszahlen nachdachten und nicht die Qualität ihrer Scheiben."

Gerade als "Creative Nature Vol. 2" Erfolg verzeichnete, wurde Gigi D'Agostino Teil von Media Records und so endete die Zusammenarbeit mit Daniele Gas abrupt.

Zitat

"Das war eine sehr empfindliche Zeit für unsere Karrieren als Produzenten. Wir brauchten dringend Veränderungen und darüber hinaus dringend ein neues Label, da Discomagic alles andere als zuverlässig war: wenig bis gar keine Vermarktung, wir haben nichts verdient solange wir keine Unstimmigkeiten auf den Abrechnungen innerhalb dreier Monate fanden. Und am schwerwiegendsten: die Künstler wurden nicht wertgeschätzt. Niemand hat sich um uns gekümmert, ich glaube es gab noch nicht einmal eine Pressestelle. Darum entschieden wir uns keine Musik mehr für die Lombardoni Gruppe zu produzieren und fingen an uns nach neuen Labels umzusehen. Gigi wurde von Mauro Picotto kontaktiert, welcher ihm einen Platz bei Media Records anbot, während ich ein Angebot von T. Vannelli's bekam für DBX. Zwei attraktive Angebote die wir guten Gewissens angenommen haben. Gigi fragte mich ob ich ihm folgen wolle und ich tat das selbe bei ihm, aber es gab nichts mehr zu regeln. Wir hatten beide den für uns am besten scheinenden Weg eingeschlagen, und so ging jeder seinen Weg. Media Records von Gianfranco Bortolotti hat sehr gut mit Gigi funktioniert aber das tat auch DBX mit meinem Project "Nylon Moon" (und den paralelen Projekten wie "Wiper", etc.), daher habe ich kein großes Bedauern über die unterbrochende Zusammenarbeit".

Nach den Projekten "Nylon Moon" und "Smoke" sank allerdings Maffei's Produktions-Aktivität. 2001 kehrte er zurück unter DDE von Michele Generale und dessen Frau Dee D. Jackson (bekannt für Werke wie "Automatic Lover" und "Meteor Man") für ein kurzes Gastspiel gefolgt von Comeback-Plänen, welche nicht fruchteten. Vor kurzem änderte er sein alias "Gas" zu "Gus" um sich auf ambient-musik zu fokussieren.

Zitat

"Am Anfang war mein alias "Gus" und nicht "Gas". Diesen Spitznamen habe ich in meiner Kindheit von einem guten Freund namens "Anthony" aus den USA bekommen, der jedes Jahr Urlaub in Italien machte um Verwandte zu besuchen. Eines Tages traf ich ihn wieder und statt mich Daniele zu nennen begrüßte er mich als "Gus", was sich im amerikanichen wie "Gas" ausspricht. Ich fragte ihn warum und er erzählte mir, dass "Gus" ein enger Freund seinerseits in Amerika war welcher bei einem Autounfall ums leben kam und mir sehr ähnlich sah. Seit diesem Tag nannte er mich immer "Gus" in Erinnerung an seinen Freund. Nach ein paar Jahren hatten wir uns aus den Augen verloren aber nun nannten mich daheim auch alle Gus. Selbst meine Mutter nannte mich aus Spaß so. Daher nahm ich den Namen auch in der Welt der Musikproduktion an, ins italienische abgewandelt. Ich wurde zu "Daniele Gas" für eine lange Zeit. Kürzlich aber nahm ich anlässlich der in Berlin entstandenen Neuproduktion des Ambient-Pop-Stils mit dem Titel "All In This Colours" den ursprünglichen Spitznamen Gus an. Was man nicht alles für Freunde tut! "

 

Hat einer mal ein Taschentuch ? Wäre glatt reif für einen Indy Film. "The Progressive Duo" demnächst im Kino. :D

 

bearbeitet von hlennarz
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